Interview mit den Architekten von Planstudio Pederiva

Thomas Pederiva
Alex Pederiva

Die Entwicklung des Hotelbades, seine Bedeutung und aktuelle Trends

Wie sehen Sie die Entwicklung des Hotelbades?
Das klassische „Hotelbad“ hat sich in den vergangenen 50 Jahren enorm verändert: In den 70er Jahren waren Badezimmer und Toilette auf der Etage. Dann bekam jedes Zimmer seine eigene Nasszelle. Der Begriff Nasszelle war auch wirklich passend, denn auf engstem Raum ohne Fenster wurden Waschbecken, WC, Badewanne oder Dusche und teilweise Bidet platziert. In den 80er/90er Jahren wurde dann mehr Augenmerk auf das Badezimmer gelegt und in jüngster Zeit hat es nochmals mehr an Bedeutung gewonnen. Zusammenfassend kann man sagen: Das Bad wandelte sich vom Zweckraum über Wohlfühlraum zur Wellnessoase.

Welche Wünsche und Ansprüche hat der Gast von heute?
Die Ansprüche an das Hotelbad von 3, 4 und 5 Sterne Unterkünften sind bei den meisten Gästen sehr hoch. Der Wellbeing Effekt und der Erlebnisfaktor sollten in einem spannenden Szenario architektonisch den Gast inspirieren, zumal auch das Badezimmer zu Hause ein wichtiger Bestandteil des Wohnraumes geworden ist und seine Annehmlichkeiten bietet.

Und was muss ein Bad haben, um den Gast zu begeistern?
Ein natürlicher Lichteinfall ist klarerweise ein Pluspunkt. Ein getrenntes WC kommt ebenso sehr gut an. Die aktuellen Highlights mit Wow-Effekt sind Beschallung, Integration des Fernsehers in den Spiegel, Farbspiele und Aromen bei der Dusche, Sonnen-Dusche, Badewanne mit Ausblick und natürlich Private-SPA in Form von Sauna oder Whirlwanne am Balkon.

Badewanne oder Dusche: Was wird bevorzugt?
Diesbezüglich gehen die Wünsche auseinander. Die Dusche muss auf jeden Fall geräumig sein und wird zur schnellen Körperhygiene sowie im Sommer bevorzugt. Die Badewanne ist aber inzwischen zur Relaxwanne avanciert und wird noch mehr geschätzt, wenn das heimische Badezimmer keine bietet. Was man selbst nicht hat, schätzt man im Urlaub umso mehr. In den hochpreisigen Suiten sind Dusche UND Badewanne inzwischen Standard. Freistehende Badewannen mit Ausblick und Whirlpools am Balkon machen das Wellnessfeeling im Zimmer perfekt.

Offene Badezimmer: ja oder nein?
Offene Badezimmer wirken größer und sind heller, was der Gast schätzt. Dennoch ist im Bad Privatsphäre sehr wichtig: Zumindest die Toilette sollte abgegrenzt sein und die Dusche sollte Sichtschutz bieten. Wir empfehlen, stets auch einige Wohneinheiten mit geschlossenen Bädern zu realisieren.

Holz, Naturstein oder Fliese?
Holz bringt Wärme ins Bad und vermittelt Natur pur. Naturstein ist elegant und verleiht einen edlen Charakter. Die Fliese ist variabel und sehr pflegeleicht, im Hotelbereich sicherlich gut einsetzbar. In unserem Segment werden alle drei Materialien je nach Projekt eingesetzt. Naturstein muss behandelt sein, um nicht durch Reinigungsmittel und Kosmetika Flecken zu bekommen. Holz ist in schönes Naturmaterial, jedoch in Feuchtbereichen wie am Boden
oder Waschtisch sollte es versiegelt bzw. behandelt sein, um Wasserspritzer und Flecken zu vermeiden. Fliesen können einen wunderbaren Kompromiss zwischen Ästhetik und Pflegefreundlichkeit darstellen.

Auf was achten Sie bei der Planung besonders?
Bewegungsfreiheit im Bad, eine angenehme Duschbrause, einfache Bedienung der Armaturen und Pflegefreundlichkeit sind uns sehr wichtig. Im WC Bereich ist Privatsphäre unerlässlich, damit der Gast für sich ist und maximale Intimität genießt. Zudem achten wir auf optimale Beleuchtung, formschöne Badkeramik und edle Materialien.

In den hochpreisigen Suiten sind Dusche UND Badewanne inzwischen Standard.
Interview: Dr. Christiane Warasin 
Foto: Meraner & Hauser, Foto Atelier Wolkersdorfer